Interview: Frauenpower! Mama und Selbständig – das geht!

Interview: Frauenpower! Mama und Selbständig – das geht!

Bevor ich mich selber selbständig gemacht habe, habe ich mir um ein Thema besonders Gedanken gemacht: wie ist das eigentlich so mit “Mama werden” in der Selbstständigkeit? Gibt es dort genau so Unterstützung wie in der Festanstellung und kann man das überhaupt alles so schaffen? Ich durfte die liebe Jojo von mind & stories interviewen und habe sehr inspirierende und motivierende Antworten von ihr bekommen. Mama sein, parallel ein Haus renovieren, Zeit für sein Baby haben und ein eigenes Business führen – das geht! 

 

Erzähl doch mal kurz: wer bist du, was machst du und wie lange bist du schon im Business?

Ich heiße Jessica, werde aber mit Spitznamen auch schon ewig „Jojo“ genannt. Ich bin fast 28 und wohne im schönen Westerwald, genauer gesagt in Betzdorf. Das wird aber wohl den wenigsten etwas sagen. Aktuell bin ich in Elternzeit, aber eigentlich bin ich seit 2018 voll selbständig und habe zuletzt andere Selbständige und Unternehmen hinsichtlich ihres Social Media Marketings beraten, Instagram Workshops und Kurse gegeben und auch hin und wieder kleinere Kundenaufträge im Bereich Webdesign  umgesetzt. Aber das Schöne an der Selbständigkeit ist ja, dass sich das auch stetig weiterentwickeln kann und man nie so wirklich Stillstand hat. Ich bin also gespannt, wo mich die Reise nach meiner kleinen Babypause hinführt. Es gibt schon einige Ideen in meinem Kopf und ich freue mich, bald endlich wieder ein bisschen daran „weiterspinnen“ zu können.

 

Jojomanolie Jojo – Powefrau Mama Gründerin Selbständige Youdiful
Was hat dich zu dem Weg in die Selbständigkeit bewegt?

Puh, also mein Lebenslauf ist alles andere als geradlinig. Ich müsste weit ausholen, nämlich bei meinem eigentlichen Studium. Ich hab Lehramt fürs Gymnasium mit den Fächern Deutsch und katholische Theologie studiert. Jap, das ist was völlig anderes als das, was ich jetzt mache. Eigentlich war ich mir immer ziemlich sicher, dass ich mal Lehrerin werde, aber irgendwann habe ich einfach gemerkt, dass ich eher so ein kreativer Chaot und Macher bin. Ich habe immer viele Ideen für neue Projekte und hab mir irgendwann gedacht, dass ich so gerne an meinen eigenen Ideen werkeln würde. 2016 habe ich mir dann damals einen Blog – www.jolimanoli.com – erstellt und wollte mich damit einfach mal kreativ ausleben. Durch das regelmäßige Bloggen habe ich so viel gelernt, mich eigentlich die ganze Zeit weitergebildet. Learning by doing sozusagen. Jede freie Minute habe ich mich damit beschäftigt. Und obwohl der Blog nie so richtig „groß“ wurde und ich nie unfassbar viele Follower hatte, hat sich mein Weg in die Selbständigkeit dann fast so nebenbei ergeben. Ich fing an, immer mal wieder kleine Aufträge auf Nachfrage zu erledigen, weil ich ja plötzlich ganz fit in den ganzen Medienthemen war. Das wurde immer mehr und mehr, bis ich dann 2018 mein Studium aufs Eis gelegt und mich Vollzeit der Selbständigkeit gewidmet habe.

 

Was war dein erster Gedanke hinsichtlich deines Unternehmens, als du erfahren hast, dass du Schwanger bist?

Ich wusste ja schon immer, dass ich irgendwann eine Familie gründen will und mit Mitte 20 setzt man sich natürlich irgendwie schon gedanklich die ganze Zeit damit auseinander. Da ich mit meinem Unternehmen gerade erst Fahrt aufgenommen habe und finanziell gut über die Runden kam wollte ich ursprünglich noch 2-3 Jahre warten, um das Unternehmen weiter aufzubaue, sodass es ohne mich stabil weiterlaufen kann. Aber das Leben kann man eben nicht planen und als dann im Jahr 2019 zwei gute Freundinnen von mir kurz hintereinander jung gestorben sind, haben mein Freund und ich uns gedacht: Worauf warten wir hier eigentlich? Das Leben kommt, wie es eben kommt. Wir haben es ab diesem Zeitpunkt nicht wirklich aktiv probiert, aber es ein bisschen drauf ankommen lassen. Und wie der Zufall es so wollte, war ich schon kurze Zeit später schwanger und wir haben uns riesig gefreut und es als riesengroßes Geschenk angenommen. Natürlich macht man sich so seine Gedanken, ob das finanziell alles passen wird, wie schnell man wieder einsteigen kann und welche Veränderungen so ein Baby mit sich bringt. Aber komischerweise hatte ich so ein Urvertrauen, dass alles schon klappen wird und dass sich immer Wege finden, eine Auszeit zu überbrücken. Alles, was man braucht, ist Mut und Kreativität.

 

Was für Unterstützung kann ich als Selbständige beantragen für die Zeit vor und nach der Geburt?

Wenn man in einem Angestelltenverhältnis arbeitet, ist diesbezüglich alles etwas „einfacher“ und klarer geregelt. Aber letztendlich stehen selbständigen Müttern die gleichen Unterstützungen und Hilfen zu. Der Unterschied ist eben, dass man sich um das alles selbst aktiv kümmern muss. Wenn man freiwillig gesetzlich versichert ist, kann man auch ganz einfach Mutterschaftsleistungen beantragen. Wichtig dafür ist aber, dass man das Krankengeld mitversichert hat, denn darüber werden die Mutterschaftsleistungen bezogen. Letztendlich ist das ein kleines Häkchen, das man zusätzlich setzen muss, wenn man sich versichert. Es kostet jährlich ein paar Euro mehr, aber sichert einen eben im Falle einer Schwangerschaft schon mal fürs Erste gut ab. Denn dadurch bekommt man Mutterschaftsgeld im Mutterschutzzeitraum: 6 Wochen vor und 8 Wochen (oder sogar 12 Wochen bei Früh- und Mehrlingsgeburten) von der Krankenkasse. Die Höhe errechnet sich dann anhand des Umsatzes. Wer also plant, schwanger zu werden und selbständig ist, der sollte diesbezüglich einfach mal bei der Krankenkasse nachfragen und sich beraten lassen. Nach dem Mutterschutzzeitraum kann man auch als Selbständige Elterngeld beantragen. Dieses errechnet sich bei Selbständigen anhand des durchschnittlichen Gewinns im vorausgegangenen, abgeschlossenen Kalenderjahr. Also alles funktioniert irgendwie, aber man muss sich kümmern. Dann gibt es aber auch für Selbständige entsprechende finanzielle Unterstützungen. 

 

Hast du von Anfang an bei deiner Gründung an Lösungen für die Elternzeit gedacht? Wenn ja, wo hast du dich informiert? Gibt es dafür Anlaufstellen?

Um ehrlich zu sein, hab ich nicht gleich von Anfang an daran gedacht. Aber ich hab schon immer im Hinterkopf gehabt, dass die Familiengründung nicht mehr allzu weit von meiner damaligen Situation entfernt war und immer ein Ohr offen gehabt. Informiert habe ich mich tatsächlich gar nicht so sehr bei offiziellen Stellen, sondern viel durch den Austausch mit anderen selbständigen Müttern erfahren, die die ganzen Prozesse schon hinter sich haben. Denn ich habe mir sagen lassen, dass die offziellen Stellen (Elterngeldstelle etc.) eher auf die Beratungen von klassisch Angestellten ausgerichtet sind und man da wirklich schon sehr intensiv betonen muss, dass man selbständig ist. Es gibt aber auch tolle Menschen, die sich auf die Beratung von Selbständigen spezialisiert haben. Vielleicht hilft dir mein Podcast-Interview mit einer Elterngeldberaterin da weiter – In der Folge habe ich eine Eltergeldberaterin interviewed und es sind viele tolle Infos dabei.

 

Wie geht es dir heute nach der Geburt und mit deinem Baby?

Die Geburt ist gerade 2,5 Monate her und mir geht es sehr gut. Wir sind einfach wirklich glücklich, dass der kleine Wurm jetzt bei uns ist. Das ist einfach so ein Wunder! Ich muss aber ganz klar sagen, dass man schon eine Zeit braucht, um so eine Geburt zu verarbeiten – nicht nur rein körperlich, sondern auch mental. Schließlich ändert sich ganz plötzlich das ganze Leben. Nichts ist mehr, wie es war, denn man hat nun eine große Verantwortung und ganz andere Prioritäten. Deshalb war es mir auch so wichtig, vor der Geburt bzw. schon vor meinem Mutterschutz alle Projekte langsam herunterzufahren, sodass ich mit gutem Gewissen und ohne Leistungsdruck im Nacken eine Babypause einlegen kann – und zwar so lange, wie es eben nötig ist. Das kann ich jeder selbständigen werdenden Mutter nur von Herzen empfehlen. Diese erste Zeit bekommt man nie wieder. Und mit einem zweiten Kind sieht die Sache ja auch schon wieder ganz anders aus.

 

Wie ist der Alltag? Hast du das Gefühl, du musst schnell wieder in den Arbeitsalltag kommen um die Angst vor finanziellen Engpässen zu umgehen?

Ich muss schon sagen, dass es mir so langsam wieder fehlt und in den Fingern kribbelt, mich kreativ auszuleben und zu arbeiten. Momentan ist es aber noch nicht wirklich möglich, weil mich die Kleine doch ganz schön fordert und ich in den letzten Wochen erst einmal in das „Mama-Sein“ reinkommen musste. Langsam aber sicher stellt sich der Alltag ein und die Tage werden zumindest etwas planbarer. Jedoch noch mit großen Ausreißern. Ich will mir Zeit nehmen, auch wenn es schwer fällt. Aber klar: Das zu erwartende Elterngeld ist jetzt auch nicht super hoch und ich muss natürlich irgendwie schauen, dass ich meine Kosten decken kann. Deshalb muss man auch gut planen. Für den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag (wenn auch zunächst nur mit ein paar Wochenstunden) wollen mein Freund und ich einen Plan aufstellen. Er arbeitet zum Glück auch im Home Office und kann sich seine Arbeitszeit auch zumindest etwas flexibel einteilen, sodass wir auch ein paar Freiräume für mich freischaufeln können. Finanziell gesehen wir es nur mit dem Elterngeld für mich auf Dauer bestimmt eng. Auch ein Grund, warum ich gerne bald wieder loslegen möchte – sicher! Dennoch versuche ich mich immer wieder zu erden und mich nicht zu stressen, da wir als Back-Up immer noch ein ganzes Gehalt von meinem Freund haben, das unsere kleine Familie notfalls auch tragen würde. Es ist immer schön, zu zweit zu sein!

 

Wie meisterst du generell deinen Alltag? Hast du ein paar Tipps?

Wenn ich in meiner bisherigen Laufbahn als Selbständige eines gelernt habe, dann ist es: Es ist immer hilfreich und gut, wenn man sich auf das Wichtigste fokussieren kann. Im Arbeitsalltag mit Baby wird das sicherlich noch mehr zu meinem Mantra werden müssen. Du kennst es ja auch – als kreativer Chaot hat man immer 1000 Ideen und weiß gar nicht, womit man zuerst anfangen soll. Oft führt das dazu, dass man am Ende gar nichts fertig bringt oder sich in zu viele Richtungen gleichzeitig entwickelt, weshalb man nicht wirklich voran kommt. Fokus auf das Wesentliche, ein bestimmtes Ziel, ein bestimmtes Projekt oder im Kleinen auch auf ein Tages- oder Wochenziel hilft da ungemein. Ich muss mich da auch richtig doll beherrschen und versuchen, mich nicht ablenken zu lassen. Unheimlich schwierig, aber nötig, vor allem, wenn man wenig Zeit hat. Was ich außerdem gelernt habe und auch enorm hilfreich finde ist, wenn man es schafft, seinen eigenen Perfektionismus – sozusagen den inneren Monk – unter Kontrolle zu haben. Dafür ist es wichtig, sich immer wieder Feedback von Außen zu holen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen (zum Beispiel in Mastermind Gruppen), damit man auch einfach merkt und spürt, dass man bestimmte Dinge nicht auf 150% bringen muss, bevor sie gut genug sind. Also meine Tipps mal kompakt: 

 

  • Fokus auf das Wesentliche
  • Kleine und große Ziele definieren
  • Feedback einholen
  • Am Perfektionismus arbeiten
  • Mit Gleichgesinnten (z.B. anderen Selbständigen) austauschen

Wie ist dein Gefühl: Findest du, dass Gründerinnen und Mamis genug Unterstützungen bekommen?

Ehrlich gesagt nein! In der Selbständigkeit ist man, wie der Name schon sagt, für alles, was in seinem Unternehmen vor sich geht, selbst verantwortlich. Und du hast bestimmt auch bei deiner Gründung gemerkt, dass man kaum verlässliche Informationen erhält. Durch ziemlich Vieles muss man sich erst einmal durchkämpfen, um einen Überblick zu bekommen. Für Mamas ist die Selbständigkeit oftmals eine coole Gelegenheit, Karriere und Kids unter einen Hut zu bringen und an eigenen Träumen festzuhalten, aber gleichzeitig finde ich, dass da auf jeden Fall noch Aufholbedarf in Sachen öffentlich zugänglicher Informationen besteht. Deshalb sollten wir uns als selbständige Mamis unbedingt gegenseitig unterstützen.

 

Fazit: Hausbau, Mami und Selbstständig – würdest du jederzeit wieder diesen Weg wählen? Hast du ein paar motivierende Worte für junge Gründerinnen?

Wir haben zwar kein Haus gebaut, sondern sind Anfang des Jahres ins Haus meiner Oma umgezogen und haben renoviert, aber trotzdem: Auf jeden Fall würde ich diesen Weg wieder wählen. Vielleicht sogar bereits viel früher! Ich bin selbst noch am Anfang und ich hatte damals auch keinen Plan von all diesen Themen. Um ehrlich zu sein ist mir Vieles immer noch völlig neu. Dennoch ist die Selbständigkeit mit so viel Freiheit, Freude und Abenteuer verbunden, dass ich es immer wieder wagen würde. Jeder Tag kann anders sein, was manchmal auch ganz schön viele Nerven kostet. Aber gleichzeitig ist das für mich die spannendste Reise. Und auch jetzt als Mama ist es bestimmt weiterhin ein toller Weg, denn ich selbst kann entscheiden, wie, wann, wo und wieviel ich arbeite. Natürlich spielt der finanzielle Aspekt immer eine Rolle, gerade, wenn man dann Verantwortung hat. Aber mit einer Portion Mut, Kreativität und Durchhaltevermögen ist das möglich! Also an alle jungen Gründerinnen: Lasst euch nicht entmutigen und supportet euch gegenseitig. Ein starkes Netzwerk ist für Selbständige einfach so ein Booster und kann viele Türen öffnen.

 

Vielen Dank für das tolle Interview liebe Jojo!

Habt ihr auch bereits Erfahrungen als Mama in der Selbstständigkeit machen dürfen oder habt weitere Tipps an werden Mütter? Schreibt sie gerne in die Kommentare!

Eure Judith.


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