Mein Weg in die Selbstständigkeit

Und auf einmal bin ich hier. Auf meinem Sofa, mit einer Packung Schokokekse und meinem Laptop auf dem Schoß und kann es immer noch nicht glauben, dass ich nun einen Post über den Weg in die Selbstständigkeit schreibe. Ich war immer eine von denen, die in der Schule klein gemacht wurde und sich selber kleiner gemacht hat. Und nun habe ich meine eigene Marke gegründet und möchte dir Mut machen. Ich möchte dir zeigen, wie auch du diesen Weg einschlagen kannst. Ich möchte dich an meinen Fehlern teilhaben lassen und dich dazu inspirieren, immer fest an deine Träume zu glauben. Bitte bedenke aber, dass ich diesen Beitrag lediglich aus meine Erfahrungen heraus verfasse und keine hundertprozentige Garantie für die Richtigkeit der Inhalte gewährleisten kann. Falls du dir also bei bestimmten Themen unsicher sein solltest, recherchiere gerne selber noch einmal. 

 

Wie alles begann..

Ich lebe den Beruf als Mediengestalterin bereits seit 2012, also 8 Jahren aus. Ich weiß noch, wie damals in der Berufsschule die Frage gestellt wurde, wo wir uns in ein paar Jahren sehen würden. Meine Antwort: Ich bleibe für immer in derselben Agentur, in der ich meine Liebe zum Design entwickelt habe. Das dachte ich wirklich! Verständlich, dass Antworten wie “das glaubst du doch selber nicht” auf mich einprasselten. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich diese Antwort meinem 17 jährigen ich ebenfalls geben. Mit einem leichten Kopfschütteln und einem breitem Grinsen im Gesicht. Was soll ich sagen, man wird halt nicht nur älter, sonder reifer. Man sammelt Erfahrungen und entwickelt sich. Als ich also mit meiner Ausbildung fertig war, dachte ich, ich hätte meinen Platz bereits gefunden, für immer! Ein Platz, bei dem ich dachte, ich hätte die Beste Zeit meines Lebens. Doch irgendwann fiel diese rosarote Brille. Ich habe mitbekommen, was mein Umfeld für berufliche Wege einschlägt, wie es in anderen Agenturen so läuft und was man in der Branche überhaupt so verdienen kann und was alles möglich ist. Aber über Geld spricht man ja nicht. Nur warum? Ich habe es damals nicht getan, weil ich wusste was die Antworten waren. “Was? dafür gehst du arbeiten?”,“Du wirst aber ganz schön ausgebeutet”. Und was soll ich sagen, recht ham se! 

Recht haben sie auch mit dem Punkt, dass Geld alleine nicht glücklich macht. Besonders heutzutage wird es immer wichtiger, jeden morgen aufzustehen und das tun zu können, was einen erfüllt als das Geld, was man dafür erhält. Der Springende Punkt bei mir war jedoch, als mir jemand sagte “Möchtest du für die Träume andere leben oder für deine eigenen?” Das war der Moment, in dem ich wusste, ich muss es versuchen! Ich muss meinen eigenen Weg einschlagen, meine Träume verwirklichen, ins kalte Wasser springen und den Schritt in die Selbständigkeit wagen.

 

Selbstständig muss keine Wahl zwischen ganz oder garnicht sein!

Ich weiß von mir selber, dass der Schritt, sich von seinen gewohnten Sicherheiten zu lösen, die größte Hürde war und unglaublich Angst macht! Einfach alles aufgeben und seinen Traum leben? Wir kennen wahrscheinlich alle die Reaktion, die einem die meisten da entgegen bringen. Aber soll ich dir was sagen? Du musst dich nicht entscheiden zwischen entweder oder! Du kannst beides machen, einfach loslegen, dich ausprobieren, deinen Traum aufbauen und dich dann von deinen alten Sicherheiten lösen, wenn du dir deine eigenen, neuen Sicherheiten geschaffen hast. Hier kommen ein paar Schritte, an die du dich halten kannst, um Schritt für Schritt an dein Ziel zu kommen – so wie ich es gemacht habe.

 

Melde dein Gewerbe an!

Das pusht und motiviert unheimlich, um einfach mal loszulegen! In den meisten Städten kostet eine Gewerbeanmeldung zwischen 20-35€ . Es ist also erstmal keine große Investition und ein guter Schritt um zu wissen, dass man das Geld, das reinkommt, direkt entsprechend abrechnen kann. Hier musst du zuerst nicht viele Angaben machen. Achte nur darauf, dass du bei den Umsatzangaben nicht mehr als 17.500€ einträgst, alles darunter ist nämlich somit automatisch ein Kleingewerbe und nicht Umsatzsteuerpflichtig (das wären die 19%, die du auf den Rechnungen dann ausweisen müsstest). Wenn du also erstmal gar keine Einnahmen hast, musst du dem Finanzamt am Ende des Jahres auch nur das mitteilen in dem du eine einfache Einnahmen / Ausgaben Gegenüberstellung abgibst. Wichtig ist nur: du bist ab dem Zeitpunkt deiner Gewerbeanmeldung verpflichtet, für jedes Jahr eine Steuererklärung abzugeben!

Ich habe speziell bei meiner Gewerbeanmeldung “Influencer und Designerin” stehen – das lässt Platz für viele Möglichkeiten, so kann ich meine selbst designten Produkte verkaufen, meinen Blog betreiben, Marketing machen, fotografieren, Content erstellen und Dinge bewerben. Auch wenn ich mich heute nicht als “Influencer” beschreiben würde, da dies nur ein minimaler Teil an meinen Einnahmen ausmacht, war es damals tatsächlich der Grund, für meine Gewerbeanmeldung. Mein erster großer Auftrag für Bum Bum Eis und meine ersten 50€ – was war ich stolz haha! Informiere dich hier aber am besten noch einmal selber, welche Berufsbezeichnung zu deinem Vorhaben am besten passt. Wichtig ist dabei auch, welche Bezeichnung du als erstes in die Anmeldung schreibst. Ich weiß, das Fotografie zum Beispiel weitere Kosten beinhaltet, da man meines Wissens nach in die Handwerkskammer eintreten muss.

 

Einfach machen, könnte ja gut werden!

Du bist also nun in einer Position dich ausprobieren zu können, denn wenn Geld reinkommt ist es umso besser, sollte es aber noch aus bleiben, hast du erstmal nichts zu verlieren, außer deine Ideen. Sei also aufgeschlossen und dafür bereit auch mal hinzunehmen, wenn etwas nicht so gut läuft. Sei aufgeschlossen für andere Wege, an die du vielleicht vorerst nicht gedacht hattest. Hole dir Rat bei Bekannten und Freunden und höre dich um. Suche nach etwas, was sich nach Feierabend nicht wie eine Last, sondern wie ein Hobby anfühlt. Etwas, auf das du dich freust, wenn du daran arbeitest, denn dann bist du auf den Richtigen Weg deine Berufung zu finden. Denk aber daran, das du immer Momente haben wirst, an denen du Zweifeln wirst, an denen du dir nicht sicher bist, ob das wirklich gut ist, ob du wirklich gut bist. Vertraue hier auf dein erstes Gefühl! War dein Bauchgefühl bei deiner Idee sofort “Das möchte ich machen, das wird so gut”, dann erinnere dich genau daran, wenn du kurz von deinem Weg abkommst und am liebsten umdrehen würdest. 

Ich habe bei der Entwicklung des Lettering Journals wirklich etliche male aufgeben wollen. Hatte Angst, dass es nicht gut genug ist, ein Nischenprodukt, ein Thema was vielleicht nur ein paar wenige Leute interessiert. Teilt diese Gedanken mit euren Liebsten, denn im besten Fall holen die euch wieder aus eurem Loch raus. Sucht euch eine Bezugsperson, die euch immer mal wieder in den Po tritt und sagt “Du wolltest das, du ziehst das jetzt durch”! Denn was hatte ich denn zu verlieren? Ich hätte statt 500 dann 10 Leute damit glücklich gemacht, aber ist das nicht auch schon viel wert?

 

Arbeite für deine Träume und habe Geduld

Das mit der Geduld war bei mir wirklich so ein Thema. Ich bin eher der impulsive Mensch, denn wenn ich an einer Idee arbeite, kann ich vor lauter Euphorie nur schwer aufhören. Im ersten Augenblick blühe ich unheimlich auf, habe 1000 Ideen dazu und fange einfach an! Kommen aber dann ein paar Hürden, die mich in meinem Flow stören oder bei denen ich ohne Hilfe selber nicht weiter komme, gebe ich gerne schnell wieder auf. So war es auch mit meinem Lettering Journal! Ich hatte es gedanklich viele viele Male verworfen und dachte mir, ich schaffe das nicht, wollte aufhören und immer wieder aufgeben. Zu viele Baustellen, zu viele Hürden zu viele To-Do Punkte für mein Chaoskopf. Doch genau hier waren die Menschen, die an mich geglaubt haben, einfach Gold wert! Meine Bezugspersonen, die mir auf die Finger gehauen und Arbeit abgenommen haben. Heute bin ich so froh darüber, meinen inneren Schweinehund einfach mal still gelegt und an mich, mein Können und meine Arbeit geglaubt zu haben. Und genau so eine Situation musst du dir immer vor Augen halten! Schwachpunkte haben wir alle. Wir haben alle Höhen und Tiefen und Zweifel, aber gib niemals auf und glaube an dich, deinen ersten Gedanken und deine Träume!

 

Die größte Schwachstelle: Arbeit abgeben!

Ich nehme gerne Dinge selber in die Hand und gebe sie unheimlich schwer in andere Hände! Einfach, weil ich niemandem zur Last fallen möchte und oft das Gefühl habe, ich brauche die Kontrolle. Bevor ich frage, suche ich lieber 2 Stunden selber nach einer Lösung. Bevor ich um Hilfe bitte, fuchse ich mich selber in Programme und durchsuche das Internet nach Lösungen. Das ist definitiv noch etwas, das ich lernen muss – Aufgaben abgeben! Denn wir müssen nicht alles können! Du darfst in Dingen auch mal schwach sein und mehr Zeit in deine Stärken investieren! Fokussiere dich lieber also lieber auf deine Stärken und übergebe deine Schwachstellen in andere Hände. Du hast also eine Idee, bist aber eher der Strukturelle statt der Kreative Typ? Oder du bist eher der Kreative Part und hast mit Struktur nicht viel am Hut? Dann Suche dir Verstärkung. Frag in deinem Freunde- und Bekanntenkreis nach und erkundige dich, wer dir helfen kann. Ob freiwillig oder für ein paar Euros! Es ist die Zeit und das Geld definitiv wert auch mal Dinge abzugeben und um Hilfe zu bitten.

Selbstständig heißt selbst und ständig

Ich spreche jetzt mal für die Kreativbranche und sage “Stimmt nicht”! Man muss sich nicht mehr 24/7 am Schreibtisch sitzen, sein Privatleben hinten anstellen und muss auf Urlaube, Wochenenden und kurze Pausen verzichteten, um sich erfolgreich nennen zu können. Ich meine, wir sind jetzt unsere eigenen Chefs! Klar, es gibt immer Phasen, an denen wir auch mal am Wochenende arbeiten müssen. Es gibt Phasen, an denen wir müde ins Bett und müde wieder aufstehen werden. Aber wir sind unser eigen Glückes Schmied! Wir haben es selber in der Hand. Der Schlüssel zum Erfolg ist hier am Ende, sich Strukturen zu schaffen und einen Ausgleich zu finden. Das ist wirklich das beste an der Selbstständigkeit! Ich selber entscheide, wann ich arbeiten möchte, welche Projekte ich annehme, wie lange ich am Schreibtisch sitze, wie viele Pausen ich mache, wann mein Wecker klingelt, wann ich Freunde treffe, wie viel ich arbeite und für wen. Diese Freiheit erfüllt mich jeden Tag aufs neue und ich kann jedem, der diesen einen Traum in sich hat, nur ans Herz legen: Nimm deinen Traum und lauf drauf los! Denn auch wenn du scheiterst, weißt du immerhin, dass du es versucht hast.

 

Hast du dich schon getraut oder eigene Erfahrungen gesammelt? Oder möchtest du es endlich wagen? Erzähl deine Geschichte und lass die Community daran teilhaben! Ich freue mich über eure Kommentare.

 

Coming Soon: Im nächsten Teil geht es um die harten Fakten wie Steuern, Versicherung, Finanzen und all die kleinen Schritte, die ihr auf dem Weg in die Selbstständigkeit  beachten könnt.

Eure Judith

Foto: Melisa Balderi 

 

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