Mein achtsames Ich – Wie ich durch positive Gedanken mein Leben auf den Kopf gestellt habe

Nicht jeder Tag, ist ein guter Tag. Das ist auch absolut okay. Aber besonders in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass die schlechten Tage, an denen ich lustlos, müde, grummelig und generell zu unmotiviert für irgendwas war, sich häuften. Das fühlte sich nicht gut an, aber ich habe es einfach nicht geschafft, diese Tage seltener zu erleben. 

Irgendwann habe ich angefangen zu googeln: 

“Wie mache ich aus einem schlechten, einen guten Tag?”

Ja gut, was bei meiner Recherche herauskam war mal mehr und mal weniger absolut nicht mein Fall. Aber hey, versucht hab ich so einiges!

Versuch 1: Sport

Ich wäre wirklich wirklich wirklich gerne sportlich. Oder besser: Ich wünschte, ich hätte Spaß daran, mich regelmäßig körperlich zu verausgaben. Aber Pustekuchen. Meine Jogging-Phase hielt 1,5 Wochen an. Yoga als tägliche Entspannung? Joa, so 20 Minuten alle 9 Tage mit immer länger werdenden Abständen habe ich schon geschafft. Danach habe ich mich auch immer besser gefühlt, aber scheinbar nicht gut genug, um das Ganze wirklich durchzuziehen. Fazit: Das schlechte Gewissen, das ich mir selbst machte, nachdem ich meine sportlichen Vorsätze mal wieder über den Haufen geworfen habe, hat mein Tag meistens schlimmer statt besser gemacht. Projekt Sport für Sportmuffel Judi gescheitert. 

Versuch 2: Morgenroutine

Hier war ich mir schon sicherer, dass es klappen könnte. Statt mich aus dem Bett direkt vor den Laptop zu rollen, habe ich mich fertig gemacht, als würde ich ins Büro gehen. So richtig mit Make-Up und Haare machen! Das hat sich gleich schon viel besser angefühlt. Irgendwie so, als hätte ich eine Mission, die ich heute noch absolvieren möchte. 

Das Gefühl hat dann auch ein paar Stunden angehalten, bis die Jeans dann doch gegen die Jogginghose eingetauscht wurde und meine aufrechte Sitzhaltung immer krummer wurde. 

Naja, noch nicht perfekt, aber darauf kann ich doch aufbauen. 

Mein Vorsatz war es, mir jeden Morgen eine To-do-Liste zu schreiben mit den Dingen, die ich heute erledigen muss und mit Dingen, die ich erledigen möchte. Diese Liste galt es dann zielstrebig abzuarbeiten. Eines kann ich verraten: Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, am Ende des Arbeitstages eine perfekt abgearbeitete Liste in den Händen zu halten! Nur leider habe ich es nicht immer geschafft. Das ist besonders bei kreativen Jobs oft unvermeidbar. Manchmal steckt man einfach in einem Loch fest und es will nicht klappen. Die Liste, die mich eigentlich motivieren sollte, wird an solchen Tagen eher zum Beweis, dass ich mich überschätzt habe. Und das Gefühl brauche ich wirklich nicht, wenn mein Tag sowieso schon eher meh als juhu ist.

Fazit: Grandiose Ansätze, die ich für mich noch anpassen muss!

Achtung, jetzt wird’s gut:

Versuch 3: Positive Gedanken

Keine Angst, ich komme jetzt nicht mit Sprüchen wie:

“Ach Mensch, das musst du positiv sehen!” 

Obwohl, vielleicht doch. Aber nicht so, wie du jetzt denkst.

Beim “Sich-positive-Gedanken-machen” geht es nicht darum, negative Gedanken dauerhaft zu ignorieren. Das ist nicht gesund und angestaute Negativität muss früher oder später raus. Ich sehe es eher wie ein Spiel: Wie muss ich das Szenario in meinem Kopf verändern, dass die Negativität positiver wird? Nicht strahlend positiv, sondern einfach weniger katastrophal?

Was ich damit meine, zeige ich dir an einem Beispiel aus dem letzten Jahr:

Ich leide seit ich Teenagerb bin an einer chronischen Darm Erkrankung namens Colitis Ulcerosa. Was das genau ist, würde jetzt zu lange dauern, um es weiter auszuführen. Das ist auch nicht so wichtig. Aber ich möchte gerne anhand meiner Krankheit zeigen, wie ich positive Gedanken für mich eingesetzt habe:

Meine Krankheit zeigt sich in Schüben. Diese kündigen sich teilweise an, überraschen mich aber doch ziemlich oft in ihrer Stärke und Dauer. Wenn ich also mal wieder einen Schub habe, gehe ich zum Arzt und bekomme eine Ladung Medikamente verschrieben. Die wirken auch gegen die Schmerzen, aber der Schub ist trotzdem da. Ich spüre ihn nicht mehr so stark, aber er zerrt trotzdem an meinem Körper und ist auch psychisch sehr kräftezehrend. Ich bin kein Medizin-Leugner, absolut nicht! Aber ich musste etwas finden, das mir zusätzlich hilft, mit meinen Schüben umzugehen. Ich durchforstete das Internet nach Tipps und Tricks von Leidensgenoss*innen und stieß irgendwann auf das Buch “Panikattacken und andere Angststörungen” von Klaus Bernhardt. Aus der Sicht der Hirnforschung wird ganz sachlich erklärt, was Angst ist, wie sie entsteht und was sie mit dem Körper alles anstellt.

Was haben Panikattacken jetzt mit meiner Krankheit zu tun, fragst du dich? Meine chronische Krankheit ist da, solange ich denken kann und wird mich auch nicht verlassen. In meiner Familie ist diese Krankheit leider keine Seltenheit und besonders meine Zwillingsschwester Saskia hat es besonders schwer getroffen. Bei jedem Schub, werde ich also an die Tage und Wochen erinnert, die ich bei ihr im Krankenhaus verbracht habe, die ich weinend im Bett verbracht habe, ohne zu verstehen, was da gerade in meinem Körper passiert. Angst ist ein Automatismus geworden und ich sehe sie als Symptom meiner Krankheit an. Doch Symptome kann man behandeln und das habe ich mir zur Aufgabe gemacht.

In dem Buch geht es viel um die Kraft der Gedanken - ja, ganz wissenschaftlich! Und auf einmal wurde mir bewusst, wie sehr ich mich in negative Gedanken verstrickt hatte. 

“Was ist wenn….?”

“Damals ist das passiert...” 

Ich würde jetzt gerne erzählen, dass ich mit einem Mal alle meine negativen Quellen erkennt und an ihnen gearbeitet habe, aber das stimmt nicht. Das Buch blieb mir immer in Gedanken, aber so wirklich umgesetzt habe ich nichts davon. Bis ich keine andere Wahl mehr hatte.

Es ist der 13.07.2019 - mein 26. Geburtstag und der schlimmste Tag, den mir meine Krankheit je beschert hat. Ich liebe Geburtstage und ich liebe es ganz besonders, mit meiner Familie bei Kakao und Kuchen zu feiern. So also auch dieses Jahr. Der Tisch war festlich gedeckt, Luki hatte mir wunderschöne Blumen geschenkt und die Gäste kamen mit liebevollen Geschenken zu mir nach Hause. Alles war so, wie ich es mir gewünscht hatte, bis mich ein Schub überrumpelte. Ich hatte ihn nicht kommen spüren, war mit dem Kopf an den Tagen zuvor einfach wo anders gewesen. Schnell verkroch ich mich ins Schlafzimmer, ohne irgendwem davon zu erzählen. Vielleicht war es ja nicht so schlimm und ich konnte schnell wieder dazustoßen. Ich wollte keine große Sache daraus machen. Mein Körper aber schon. Mir ging es noch nie so schlecht, wie an diesem Tag. Mein gesamter Magenbereich stand in Flammen, alles krampfte und meine Angst wuchs zu einer Panikattacke, die mich völlig überforderte. Da war nichts mehr mit Atemübungen, Tee und Wärme. Ich war ein Wrack und meine selbstgewählte Isolation in meinem Zimmer machte es noch schlimmer. Mein Kopf malte sich die schlimmsten Szenarien aus, weil niemand da war, um mich abzulenken. Ich wollte und konnte körperlich aber nicht nach Hilfe rufen. Es war mir alles so peinlich, ich wollte es alleine schaffen. Doch das musste ich gar nicht. Meine Cousine stand in der Tür. Ihr war aufgefallen, dass ich so plötzlich verschwunden war. Sie setzte sich zu mir, beruhigte mich und brachte mich aus meinem panischen Zustand. Die Schmerzen waren zwar noch immer da, aber ich konnte wieder normal atmen. Nach ein paar weiteren Minuten raffte ich mich auf und ging zurück zu meinen Gästen. Ich wollte sie nicht länger allein lassen, hatten sie sich doch so viel Mühe für mich gegeben.

Ein paar Stunden hielt ich aus, doch dann gab mein Körper und mein Kopf komplett auf.

Ich flüchtete mich wieder ins Schlafzimmer, doch diesmal folgten mir Luki, meine Schwester und Mama. Sie hatten mir den ganzen Tag angesehen, dass ich nicht okay war. Es war mir so peinlich, dass alle um mich herumstanden und mich in diesem Zustand sahen, doch ich will mir nicht ausmalen, was ohne sie passiert wäre. Sie kümmerten sich ganz liebevoll um mich, redeten mir gut zu und baten die anderen Gäste, nach Hause zu gehen. Ich war erleichtert und unglaublich enttäuscht von mir und meinem Körper zugleich.

Dieser Tag rüttelte mich auf. 

“Okay, das geht so nicht weiter. Du musst besser auf dich achten, Judith!”

Ich hatte den Schub nicht kommen sehen wollen, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, durchzuhalten. Ich ignorierte die Anzeichen und verfolgte blind mein Ziel, einen schönen Geburtstag zu feiern. Na das hat ja prima geklappt…

Also begann ich, mir selbst zuzuhören und mich immer wieder zu fragen: “Empfinde ich Freude? Stresst mich die Situation? Wenn ja, warum? Kann ich die Situation entstressen?” 

So fing ich an zu identifizieren, was in meinem Leben zu meiner Angst beitrug. Ich ging ganz zwanglos joggen oder spazieren, wenn mein Kopf explodierte. Ich kürzte meine Arbeitsstunden, um mehr Luft zum Atmen zu haben. Ich verbrachte Stunden mit Zeichnen, statt Social Media und verbrachte generell viel mehr Zeit mit mir selbst. So verwandelte ich negative Gedanken in etwas, dass ich anpassen konnte und brachte Schritt für Schritt ein bisschen mehr Positivität in meinen Alltag.

Meine Panikattacken wurden weniger, weil ich mir weniger unbegründete Sorgen machte. Mein Darm machte mir weniger Probleme und bestätigte mich in meiner neuen, achtsamen Lebensweise.

Ich habe meine Krankheit nicht geheilt, aber ich habe mir beigebracht, besser mit ihr umzugehen und ihr nicht einen größeren Platz in meinem Leben zu schenken, als sie verdient.

Tatsächlich bin ich manchmal sogar dankbar für meinen zickigen Darm. Denn wenn er sich mal wieder zu Wort meldet, weiß ich, dass ich etwas zu nachlässig mit mir selbst war. Ich gehe dann sofort auf Fehlersuche. 

“Habe ich Stress? Schlafe ich genug? Wie sieht es mit der Ernährung aus? Achte ich auf meine Gedanken?”

Mein Körper passt auf mich auf, also passe auch ich auf ihn auf. So gut ich eben kann.

Nicht nur meine Krankheit zeigt mir, dass Positivität machtvoll ist. Ich erlebe es in jeglichen Lebenssituationen, dass positive Gedanken Berge versetzen können. 

Strahle ich Positivität aus, funke ich auf einer Wellenlänge mit aller Positivität, die mir begegnet. Ich empfange sie also ganz automatisch. Das kann ein Lächeln von jemandem auf der Straße sein, Kinder, die im Park in Pfützen hüpfen, ein Schoko-Croissant, das heute besonders lecker schmeckt – ich strahle die Welt an und sie strahlt zurück.

Meine Positivitäts-Tipps:

  • Lächle dich selbst im Spiegel an. Auch wenn dir nicht danach ist. Unser Hirn ist clever, aber wenn du dich nur überzeugend genug anlächelst, strahlt dir Positivität entgegen. Es ist eine spürbare Energie, die dein Mindset herausfordert!
  • Vergiss deine negativen Gedanken. Ja, das klingt zu einfach. Ich meine auch nicht für immer. Gib deinem Kopf eine Auszeit, indem du auf Durchzug stellst, spazieren gehst, einen Film anschaust oder kreativ bist. Verbiete dir, in die Negativität abzurutschen und beschäftige dich erst nach ein paar Stunden ohne diese Gedanken wieder mit ihnen. Dein Blickwinkel ist jetzt vielleicht ein ganz anderer!

Formuliere negative Gedanken um. Zum Beispiel: Ich kann nicht mehr! In: Es ist okay, dass ich überfordert bin. Ich darf mir Hilfe suchen.

Versuch es mal! Mach ein Screenshot (oder halte das Bild länger gedrückt, um es in deiner Galerie zu sichern) von meinem Template und poste es gerne in deiner Instagram Story – für mehr positive Gedanken, die uns alle ein bisschen dabei helfen können wieder den Fokus auf die schönen Dinge zu legen.

Eure Judith.

3 Kommentare

Hey. Danke für diesen Post. Ich hab gerade bewusst danach gesucht, weil meine Schwester seit kurzem wieder häufiger mit ihren Panikattacken zu kämpfen hat. Und ich wusste dass du Mal was darüber geschrieben hast. Falls du also noch irgendwelche Tipps hast, wie man in so einer Situation am besten helfen kann ohne Grenzen zu überschreiten oder mit Aussagen wie: dann müssen wir jetzt halt einen Notarzt rufen, noch mehr Angst zu schüren.. immer gern her damit. Danke liebe Judith

Emmi 02 Mai, 2021

Ein inspirierender Post. Ich bin gerade selber in einem totalen Tief und muss mich da irgendwie wieder hoch kämpfen. Ich schaffe es leider noch nicht negatives so umzuwandeln wie du und auf meinen Körper zu hören.
Doch ich fühle mich jetzt auch irgendwie gut, weil ich weiß dass es anderen auch so geht und ich doch irgendwie nicht alleine bin.
Vielen Dank daher für deine Offenheit. :)

Anni 20 Januar, 2021

Ein wundervoller Post . die Entwicklung musste ich tatsächlich auch schon durchlaufen – und schlussendlich bin ich froh darüber -
Danke für den kleinen Einblick :)

Ann-Kathrin 31 Dezember, 2020

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